News

Sortieren Sie nach Rubriken:

Privatdarlehen: Ausfall führt zu Verlust bei Kapitaleinkünften

Hände

Der Ausfall einer privaten Darlehensforderung führt nach Inkrafttreten der Abgeltungsteuer zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 24.10.2017 entschieden. Voraussetzung ist jedoch, dass ein endgültiger Forderungsausfall vorliegt. Davon ist erst dann auszugehen, wenn feststeht, dass keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgen werden. Die bloße Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners reicht noch nicht aus.

Im Streitfall hatten Eheleute ein verzinsliches Darlehen gewährt. Bereits nach kurzer Zeit leistete der Darlehensnehmer keine Rückzahlungen mehr, und es wurde ein Insolvenzverfahren über dessen Vermögen eröffnet. Die Eheleute machten den Ausfall des Darlehens als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend. Das zuständige Finanzamt erkannte dies nicht an, und auch der Einspruch und die Klage vor dem Finanzgericht blieben erfolglos. So musste der BFH über die Frage entscheiden.

Laut dem BFH führt ein endgültiger Ausfall einer privaten Kapitalforderung nach Einführung der Abgeltungsteuer ab dem 01.01.2009 zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust. Seine Entscheidung begründet der BFH damit, dass durch die Abgeltungsteuer eine vollständige steuerrechtliche Erfassung aller Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen erreicht werde. Die bis zur Einführung der Abgeltungsteuer geltende Trennung von Vermögens- und Ertragsebene für Einkünfte aus Kapitalvermögen wurde demzufolge aufgegeben.

Der BFH hat damit der Auffassung, die die Finanzverwaltung bisher vertreten hat, eine Absage erteilt. Ob auch der Forderungsverzicht ohne Insolvenzverfahren zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust führt, musste der BFH nicht entscheiden. Allerdings gab er in seiner Pressemitteilung zum Urteil einen Fingerzeig. Dort heißt es:

„Inwieweit diese Grundsätze auch für einen Forderungsverzicht oder etwa den Verlust aus der Auflösung einer Kapitalgesellschaft gelten, hatte der BFH nicht zu entscheiden. Auch in diesem Bereich dürfte jedoch die mit der Abgeltungsteuer eingeführte Quellenbesteuerung die traditionelle Beurteilung von Verlusten beeinflussen.“

Es ist daher zu erwarten, dass der BFH auch den Verlust infolge eines Forderungsverzichts, der zu einem endgültigen Ausfall führt, als steuerlich zu berücksichtigenden Verlust anerkennt.

Beachten Sie aber: Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nur mit Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Eine Verlustverrechnung mit anderen Einkünften, zum Beispiel aus Gewerbebetrieb oder Vermietung und Verpachtung, ist nicht möglich.